Sitz: Frankfurt am Main

Bericht Konferenz in Delhi 2005

Konferenz in Delhi 2005
Die erste bilaterale und internationale Konferenz zu dem Thema auf indischem Boden, veranstaltet von der Leiterin der Indischen Sektion der Schopenhauer-Gesellschaft, Frau Dr. Arati Barua mit Unterstützung der Schopenhauer-Forschungsstelle in Mainz und der Delhi University, war sowohl in wissenschaftlicher als auch in kulturpolitischer Hinsicht erfolgreich. Ich beginne mit dem letzteren Gesichtspunkt, da er unmittelbare Auswirkungen auf die Gestaltung der Konferenz hatte. Die kulturpolitische Bedeutung manifestierte sich nicht nur in der Teilnahme der deutschen Botschaften von Delhi und Taschkent, sondern vor allem darin, daß der Indische Minister für Human Resource Development, Arjun Singh, sich bereiterklärte, die Veranstaltung zu eröffnen. Leider mußte er dann doch sein persönliches Erscheinen kurzfristig absagen, doch wurde sein Grußwort dann in einer eigens anläßlich der Veranstaltung hergestellten Broschüre abgedruckt. An der Tagung nahmen vor allem indische und deutsche Wissenschaftler teil (der Vorstand der Schopenhauer-Gesellschaft war durch den Präsidenten, den Geschäftsführer und den Archivar vertreten), aber auch Referenten aus den USA, Australien und Japan. Einige Beiträge jüngerer indischer Forscher wurden ebenfalls in das Programm aufgenommen. Die abschließende valedictory note wurde von Dr. L. M. Singhvi, Mitglied des Haager Gerichtshofs und ehemaliger Hoher Kommissar Indiens in Großbritannien, übernommen. Von wenigen Ausnahmen abgesehen waren die Vorträge qualitätvoll, die Diskussionen lebhaft und die Atmosphäre ausgezeichnet.
Wie zu erwarten war, bestand das Resultat der Konferenz weniger in neuartigen Erkenntnissen als vielmehr in der gegenseitigen Vermittlung von Kenntnissen und Positionen und in der Konkretisierung der gemeinsamen Aufgaben für die Zukunft. Um aus dieser Aussprache sogleich Nutzen zu ziehen, wurde auf der Veranstaltung bereits die nächste internationale Tagung zu der Thematik bekanntgegeben, die unter Mitwirkung mehrerer Teilnehmer aus Delhi im Juli 2005 Jahres in Mainz stattfand. Andererseits brachte die Konferenz durchaus den Forschungsstand auch unmittelbar voran. So wurde erstmals die Rezeption der indischen Philosophie in Deutschland – nicht nur in der Philosophie, sondern gerade in der klassischen Indologie – vor und nach Schopenhauer mit ihm in Verbindung gesetzt; das Verhältnis von Schopenhauer und Tagore wurde mit einbezogen und die verschiedenen Bedeutungsfelder von Brahman und Maja wurden ausführlich diskutiert.
Ein weiteres wichtiges Ergebnis der Konferenz bilden neu aufgeworfene Fragen, die Forschungsgebiete eröffnen, z.B. nach den politischen und kulturellen Voraussetzungen für die Indien-Begeisterung in Deutschland zu Beginn des 20. Jh. und nach den Einflüssen der deutschen Indologie (Max Müller) auf den modernen Hinduismus. Wie der Hinweis auf die Tagung in Mainz schon zeigt, wird die Konferenz weitere Treffen, Tagungen und wissenschaftlichen Austausch nach sich ziehen; Eintritte in die Schopenhauer-Gesellschaft und Aufträge für die Schopenhauer-Forschungsstelle an der Universität Mainz bezeugen ebenfalls das Interesse an der Fortsetzung der Kooperation. Die Beiträge werden, wie angekündigt, nach Überarbeitung in einem Kongreßband in Indien veröffentlicht.
Matthias Koßler