Sitz: Frankfurt am Main
Jour-Fixe 2011
„Schopenhauer und die soziale Frage“
„Im Alther von fünf Jahren eintreten in die Garnspinnerei…
heißt das Vergnügen, Athem zu holen, theuer erkaufen.“
Arthur Schopenhauer
 Der Jour-Fixe des Jahres 2011 ist dem Thema „Schopenhauer und die soziale Frage“ gewidmet. Zu wenig ist bekannt, daß wir Schopenhauer „hellsichtige Diagnosen der sozial- und wirtschaftsgeschichtlichen Tatsachen“ seiner Zeit verdanken (Alfred Schmidt).
Er wußte um die Rolle der Arbeit für die Geschichte und durchschaute den Klassen­charakter der bisherigen Gesellschaft. Auch die Segnungen des technischen Fortschritts waren ihm bekannt.
In vier Abschnitten, die den vier Quartalen des Jahres entsprechen, werden die zentralen Themen Not, Arbeit, Glück und Freiheit behandelt.
NOT: Bereits der junge Denker wurde vom „Jammer des Lebens“ ergriffen. „Armuth und Sklaverei“ sind „zwei Namen derselben Sache“. An seine Analyse der Leibeigenschaft hätte Marx direkt anknüpfen können. Die von Horkheimer angeregte „Schopenhauersche Linke“ hat in der Forschung leider immer nur eine Nebenrolle gespielt. Dabei zeigt gerade das mediale Elend, wie wichtig eine Mitleidsethik heute sein könnte.
ARBEIT: Marx hat Schopenhauer geschätzt, wenngleich sich sein Begriff von Arbeit nicht mit dem des Frankfurter Rentiers deckte. Ob und inwiefern Arbeit in einem umfassenden Sinne „bilden“ kann oder soll, wird auch heute noch leidenschaftlich diskutiert.
GLÜCK: Hegel zufolge sind die Seiten des Glücks im Buch der Weltgeschichte „leere Blätter“. Schopenhauer entwarf bereits in seiner Berliner Zeit eine Glückslehre vom praktischen Standpunkt aus. Seine „Kunst, glücklich zu sein“ wurde erst 1999 aus dem Nachlaß herausgegeben. Psychoanalyse und Glücksforschung wundern sich darüber, daß die „Kunst, unglücklich zu sein“, bei vielen Menschen populärer ist.
FREIHEIT: Der Wappenspruch der Familie Schopenhauer lautete: „Kein Glück ohne Freiheit“. Zu Schellings Freiheitsschrift (1809) notierte er sich „Vorspuk von mir“. Inwiefern Freiheit als „Grund“ des Denkens in der Moderne und Voraussetzung des persönlichen wie politischen Glücks zu verstehen ist, wäre am Ende des Jahres zu klären.
Der Jour-Fixe ist eine Veranstaltung der Ortsvereinigung Frankfurt a.M. der Schopen­hauer-Gesellschaft e.V. Er findet in der Regel am letzten Donnerstag im Monat von 18.00 – 19.30 Uhr in den Räumen der Heussenstamm-Stiftung, Braubachstraße 34 (Nähe Römer), statt. Es handelt sich um einen offenen Kreis. Interessierte sind herzlich willkommen!
Information
bei Dr. Thomas Regehly, Bischofsheimer Weg 26 A, 63075 Offenbach (Tel. 069 / 8678 7372, ab 21.00 Uhr) bzw. per Mail: thomas.regehly@t-online.de
Termine und Themen 2011
27. Januar 2011:
Max Horkheimer zur Aktualität Schopenhauers
24. Februar 2011:
Die Ausfahrt des Buddha
31. März 2011:
Das mediale Elend
28. April 2011:
Marx und Schopenhauer
26. Mai 2011:
Arbeit: Bildung oder Qual?
 (Juni 2011: Sommerpause)
28. Juli 2011:
Schopenhauer und Freud
25. August 2011:
Vom Fortschritt der Technik
29. September 2011:
Zur Lage der Glücksforschung
27. Oktober 2011:
Schopenhauer und Schellings Freiheitsschrift
24. November 2011:
„Kein Glück ohne Freiheit“